Eine Ellenbogenluxation muss zeitnah reponiert werden. Die weitere Therapie hängt davon ab, ob die Luxation einfach oder komplex ist.
Notfall-Behandlung – Reposition
In der akuten Situation steht die Reposition des Gelenks im Vordergrund. Sie erfolgt in der Regel unter Sedierung oder Kurznarkose, damit die Muskulatur entspannt ist und die Gelenkstellung schonend wiederhergestellt werden kann. Nach der Reposition prüfen wir die Stabilität und schließen Begleitverletzungen aus.
Konservative Therapie – bei einfacher Luxation mit stabilem Gelenk
Bei einfacher Ellenbogenluxation ohne knöcherne Verletzung und mit stabilem Gelenk nach Reposition ist eine konservative Therapie meist ausreichend.
- Schiene und Orthese: Für ein bis zwei Wochen schützt eine Schiene das Gelenk in 90 Grad Beugung. Anschließend gehen wir zu einer beweglichen Orthese über, die kontrollierte Bewegung erlaubt.
- Frühe Mobilisation: Wir setzen auf frühe, kontrollierte Bewegung statt langer Ruhigstellung. Anhaltende Ruhigstellung kann eine Versteifung verursachen – eine der häufigsten Spätfolgen am Ellenbogen.
- Physiotherapie: Strukturierte Physiotherapie mit Mobilisationsübungen, Kraftaufbau und Koordinationstraining beginnt zeitnah und wird über mehrere Wochen fortgeführt.
- Antientzündliche Schmerztherapie: Antientzündliche Medikamente und gezielte Kühlung helfen in den ersten Tagen. Bei Bedarf ergänzen wir mit gezielter Schmerzbehandlung.
Operative Therapie – bei komplexer Luxation oder Instabilität
Bei komplexer Luxation mit knöchernen Verletzungen, beim „terrible triad" oder bei persistierender Instabilität nach Reposition ist eine operative Versorgung erforderlich.
- Versorgung von Frakturen: Frakturen am Speichenköpfchen, Kronenfortsatz oder Olecranon werden mit Schrauben, Platten oder Drähten anatomisch wiederhergestellt. Bei Speichenköpfchen-Trümmerfrakturen kann eine Prothese sinnvoll sein.
- Bandrekonstruktion: Beim instabilen Ellenbogen rekonstruieren wir die verletzten Bänder – meist das laterale ulnar-kollaterale Komplex und bei Bedarf das Innenband.
- Versorgung des Kronenfortsatzes: Der Kronenfortsatz der Elle (Coronoid) ist eine wichtige Stabilisierungsstruktur. Frakturen dort werden mit Schrauben oder Nahtanker-Technik refixiert.
- Externe Fixation: Bei sehr instabilen Befunden kann temporär ein externer Fixateur eingesetzt werden. Er stabilisiert das Gelenk extern, bis die inneren Strukturen verheilt sind.
Gemeinsam zum individuellen Therapiekonzept
Wir besprechen mit Ihnen alle Befunde, zeigen Ihnen die Bilder und planen die Therapie individuell. Bei komplexen Luxationen ist eine sorgfältige operative Planung besonders wichtig.







