Akute Achillessehnenruptur

Die akute Achillessehnenruptur gilt als typische Sportverletzung. Darunter fallen Risse, die zum Zeitpunkt der Diagnose nicht älter als 3 Tage sind. Als subakute Ruptur gelten maximal 4 Wochen alte Risse, ältere Rupturen werden als chronisch eingestuft.

Typischerweise treten Achillessehnenrupturen im schlecht durchbluteten Areal am ca. 2 bis 5 cm entfernten Ansatzpunkt der Sehne im Fersenbein auf (Midportion-Bereich). In selteneren Fällen kann es auch zu Rupturen im oberen Drittel, dem Bereich des Muskel-Sehnen-Überganges oder des Fersenbeins, zu knochennahen oder knöchernen Ausrissen kommen.

Bei einem akuten Riss der Achillessehne kommt es häufig zu einem deutlich hörbarem, sogenanntem „Peitschenknall-Phänomen“. Weitere Folgen sind Schmerzen, eine lokalen Schwellung und der Verlust des typischen Achillessehnenprofils mit erkennbarer Delle. Charakteristisch ist auch ein nahezu völliger Kraft- und Mobilitätsverlust, der dazu führt, dass die Ferse nicht mehr vom Boden abgehoben werden kann.

70 bis 80 Prozent der primären Achillessehnenrisse gehen auf sportliche Aktivitäten zurück. Mit zunehmendem Alter nehmen dann verschleißbedingte Schädigungen zu. Zu einer Überlastung und somit auch Schädigung der Achillessehne kommt, wenn die Belastung zu hoch oder die Belastbarkeit der Achillessehne eingeschränkt ist, was auf Stoffwechselstörungen, chronische Infekte und Entzündungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente zurückzuführen ist. Zum anderen können regelmäßige Fehlbelastungen, bedingt durch Fußfehlstellungen oder funktionelle Defizite der Muskel-, Sehnen- und Gelenkstrukturen des Fußes, zu Achillessehnenschädigungen führen. Schlechte Sportschuhe können die  Achillessehne ebenfalls stark belasten und Entzündungen und Reizzuständen der Sehne, des Schleimbeutels und der Gleitschichten verursache. Wird die Ursache nicht beseitigt, wird das Sehnengewebe beeinträchtigt, was zu irreparablen Gewebsschädigung wie kleinen Teilrissen (Partialrupturen) oder chronischen Rissen führen kann.

Neben einer ausführlichen Anamnese und einer sorgfältigen Untersuchung lässt sich eine Achillessehnenruptur am besten mittels einer Kernspintomographie (MRT) diagnostizieren.

Sinn und Zweck der Behandlung ist nicht nur die Rekonstruktion der Sehnenkontinuität, sondern v.a. die Wiederherstellung der funktionellen Länge sowie der Kraftübertragung des Wadenmuskels (m. Triceps surae) auf das Fersenbein. Denn nur so lässt sich eine gute und schmerzfreie Funktion im Alltag und beim Sport erreichen.

Voraussetzung für eine erfolgreiche funktionell-konservative Therapie ist, dass sich die Rissenden der Achillessehne bei der Ultraschalluntersuchung in 20-Grad-Spitzfußstellung vollständig annähern können. Zu Beginn der Therapie wird der Fuß über einen Zeitraum von 8 bis 10 Wochen in einem speziellen Therapieschuh in einer Spitzfußstellung gehalten. Das erfordert ein hohes Maß an Mitarbeit seitens der Patientin bzw. des Patienten, denn der Schuh muss durchgehend getragen werden.

Diese Therapie setzen wir in der Regel nur bei sportlich nicht (mehr) aktiven Personen ein oder bei Patientinnen und Patienten, bei denen das Operationsrisiko zu groß ist. Weltweite Untersuchungen bestätigen, dass das Risiko eines vermehrten Kraftverlusts und eines erneuten Risses gegenüber den operativen Verfahren erhöht ist.

Für die operative Therapie einer Achillessehnenruptur gibt es zwei Möglichkeiten: die perkutan-operative und die offen-operative Methode.

  • Bei der perkutan-operativen Methode setzen wir nur einen sehr kleinen Hautschnitt (minimalinvasiver Zugang) und versuchen, die beiden Rissenden der Achillessehne mittels kleiner Stiche durch die Haut oberhalb und unterhalb des Risses und anschließendem Auffädeln des oberen und unteren Sehnenanteils über verschiedene Zielvorrichtungen anzunähern. Da sich die exakte Rissform und -ausdehnung nur mit Einschränkung beurteilen lassen, ist bei dieser Methode mitunter nur eine ungefähre Rekonstruktion möglich. Vor allem zusätzliche Verletzungen oder Abrisse eines wichtigen, der Achillessehne anliegenden Muskels (Soleusmuskel) können übersehen werden.
  • Beim offen-operativen Verfahren lässt sich der Riss exakt beurteilen. So können wir Sehnenstümpfe entsprechend der anatomischen Ausrichtung rekonstruieren. Auch Sonderformen, wie Risse an verschiedenen Stellen (2-Etagen-Rupturen), können wir direkt erkennen und optimal versorgen. Das gilt auch für den Soleusmuskel, der bei Achillessehnenrupturen häufig mitbetroffen ist. Übersieht man einen möglichen Abriss dieses Muskels, könnte dies zu einem Kraftverlust von bis zu 35 Prozent führen, obwohl die Sehnenstümpfe vollständig miteinander vernäht wurden. Um Verletzungen des wichtigen Nervus suralis zu verhindern, setzen wir bei der Rekonstruktion einen Hautschnitt ca. 1 cm innenseits der Achillessehne zum Innenknöchel hin.

1. Vorstellung in unserer Sprechstunde:

  • Patientengespräch
  • Körperliche Untersuchung
  • MRT
  • Röntgenaufnahme
  • Diagnosestellung
  • Vereinbarung eines OP-Termins
  • Ab- bzw. Umsetzen von blutverdünnenden Medikamenten (z. B. Aspirin, Plavix, Marcumar)

2. Präoperative Vorbereitung:

  • Chirurgisches Aufklärungsgespräch
  • Anästhesieaufklärung
  • Blutabnahme

3. Nachbehandlung (behandlungsabhängig):

  • Die Entlassung erfolgt bei ambulanten Eingriffen nach der Operation, bei stationären Eingriffen in der Regel nach 2 Nächten
  • Entfernung der Wunddrainage am Tag nach der OP
  • Physiotherapie am OP-Tag
  • Die weitere postoperative Behandlung wird individuell auf die die persönliche Situation der Patientin/des Patienten (Sport, Aktivitätsniveau, Risikofaktoren, berufliche Exposition) abgestimmt.
  • Regelmäßige Wundkontrollen
  • Schmerzmedikation

Nach der Physiotherapie am OP-Tag wird der betroffene Fuß zunächst kurzzeitig mit einer individuell angefertigten vorderen Unterschenkelgipsschiene in Spitzfußstellung ruhiggestellt. Die Patientinnen und Patienten nutzen Unterarmgehstützen zur Entlastung.

Nach 1 bis 2 Wochen erfolgt dann in der Regel die zügige Vollbelastung ohne Unterarmgehstützen im Therapieschuh. Ab der 6. Woche nach der OP werden im Rahmen einer Erweiterten Ambulanten Physiotherapie (EAP) Kräftigungs- und Koordinationsübungen durchgeführt. Zur Physiotherapie gehört auch ein individuelles Aufbauprogramm mit sportartspezifischen Belastungen.

Mehr Informationen zum Thema „Funktionelle Nachbehandlung nach operativer Versorgung einer Achillessehnenruptur“ haben wir für Sie zusammengefasst: Hier können Sie das Behandlungsschema abrufen.

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