Hallux valgus

Der Hallux valgus (auch Großzehenballen, Ballenzeh, schiefer Zeh oder Ballengroßzehe) gilt als häufigste Fehlstellung des großen Zehs und tritt vor allem bei Frauen auf. Bei dieser Deformität wandert der erste Mittelfußknochen in Richtung Fußaußenseite, wodurch sich der vordere Teil des Fußes verbreitert. Gleichzeitig verschiebt sich die Großzehe zur zweiten Zehe hin und rotiert in sich.

Das Ausmaß eines Hallux valgus lässt sich anhand des Intermetatarsalwinkels (Winkel zwischen zwei Mittelfußknochen) und des Hallux-Valgus-Winkels näher bestimmen. Diese Winkel werden vor einer Operation auf den Röntgenbildereingezeichnet.

Intermetatarsalwinkel und Hallux valgus Winkel

Diese Winkel werden auf den, vor der Operation angefertigten Röntgenbildern, eingezeichnet.

  • Intermetatarsalwinkel (1)
  • Hallux valgus Winkel (2)

Abb. nach Venning & Hardy

Fussdeformitäten milder moderater und schwerer Hallux valgus

Je nach Größe dieser Winkel unterteilt man diese Fußdeformität in einen:

  • milden Hallux valgus (1)
  • moderaten Hallux valgus (2)
  • schweren Hallux valgus (3)

Ein Hallux valgus verursacht nicht zwingend Schmerzen und kann daher teilweise auch als rein kosmetisches Problem angesehen werden. Wenn Schmerzen auftreten, dann meist im Bereich des „Ballens“ an der außenseitigen Basis der Großzehe. An dieser breitesten Stelle des Fußes wirkt sich der Druck durch Schuhe am stärksten aus. Ständiger Druck reizt die Haut und den darunter liegenden Schleimbeutel. Als Folge kann es zu Schwellungen und schmerzhafte Entzündungen (Bursitis) kommen.

Darüber hinaus kann die Schiefstellung des Zehengrundgelenks auch Bewegungseinschränkungen verursachen. Ein ausgeprägter Hallux valgus kann sogar zu einer schweren Arthrose im Zehengrundgelenk führen. Ohne Therapie verschlechtert sich der Knorpelzustand; Entzündungen und Schmerzen nehmen zu. Aufgrund des gestörten Muskelgleichgewichts kann es zu einer Krallenzehenbildung der benachbarten Zehen oder zu Mittelfußschmerzen (Metatarsalgie) kommen.

In über 90 Prozent der Fälle ist der Hallux valgus eine erworbene Deformität, bedingt durch abnormale biomechanische Belastungen des Fußes im Schuhwerk. Als weitere Ursachen kommen u. a. Vererbung, neuromuskuläre Veränderungen des Fußes, Achillessehnenverkürzungen, rheumatische Erkrankungen und Fußfehlstellungen infrage.

Zur Diagnose eines Hallux valgus führen wir eine ausführlichen Anamnese und eine gründliche klinische Untersuchung durch. Außerdem erstellen wir Röntgenbilder des Fußes unter Belastung in drei Ebenen. Ist die Ursache für den Hallux valgus eher im Mittel- bzw. Rückfußbereich angesiedelt, setzen wir ebenfalls bildgebende Verfahren ein, um evtl. Begleiterkrankungen zu erkennen. Gangbildanalysen und Fußdruckmessungen (Pedoparographien) sind weitere Instrumente, um biomechanische Funktionsstörungen im Abrollverhalten sichtbar zu machen.

Je nach Ausprägung des Hallux valgus versuchen wir zunächst mit einer konservativen Therapie, etwa mit physiotherapeutischen Maßnahmen (z.B. Muskelkräftigungsübungen im Rahmen der Spiraldynamik), Orthesen, Nachtlagerungsschienen und speziellen Einlagen, die Schmerzen zu reduzieren.

Bleibt der Erfolg aus, korrigieren wir einen Hallux valgus operativ. Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, aus denen wir je nach Schweregrad das bestgeeignete auswählen. Grundsätzlich versuchen wir, am Vorfußballen gelenkerhaltend zu operieren. Die Operation kann sich entweder nur auf die umgebenen Weichteile beschränken oder auch den Knochen der Großzehe mit einbeziehen. In den meisten Fällen kombinieren wir beide Verfahren.

Bei vielen Operationen können wir heute auf bioresorbierbare Schrauben zurückgreifen, also auf Implantate zur Fixierung des Knochens, die sich im Laufe der Zeit von selbst auflösen und keinen zweiten Eingriff zur Materialentfernung erfordern.

  1. Weichteileingriffe
    Bei der Operation nach McBride verlagern wir die Sehne des außenseitigen Muskels (M. adductor hallucis) von der Basis des 1. Zehengrundgliedes auf das Köpfchen des 1. Mittelfußknochen, zusätzlich spalten wir die seitliche Gelenkkapsel (lateral release). Ggf. werden die Sehne des innenseitigen Muskels (M. abductor hallucis) verkürzt und die innere Gelenkkapsel gerafft.
  2. Knöcherne Eingriffe
    Dabei tragen wir zunächst knöcherne Vorsprünge (Pseudoexostosen) im Bereich des innenseitigen Köpfchens des ersten Mittelfußknochens ab (Buniektomie), anschließend wählen wir aus verschiedenen gelenkerhaltenden Operationsverfahren das für die individuelle Situation bestgeeignete:
    • Im Rahmen der Chevron-Operation setzen wir einen V-förmigen, horizontalen Sägeschnitt im innenseitigen Bereich des ersten Mittelfußköpfchens und verschieben das Köpfchen zur zweiten Zehe hin. Mittels der sehr ähnlichen Operation nach Reverdi korrigieren wir Abweichungen des Gelenkflächenwinkels des ersten Großzehengrundgelenks. Diese Methoden werden häufig mit den o. g. Weichteileingriffen kombiniert.
    • Bei der Operation nach Akin entnehmen wir zuerst einen Knochenkeil im Bereich des innenseitigen Grundglieds der Großzehe (die Basis des Keils weist nach medial). Die entstandene Spalte verschließen wir mit einer Schraube oder einer bioresorbierbaren Naht durch den Knochen (transossäre Naht). Diese Operation wird oft mit den beiden o.g. Operationen kombiniert und sollte v.a. bei einer zusätzlichen Hallux-Interphalangeus-Deformität zum Einsatz kommen.
    • Die SFO-Operation (Spreizfußosteotomie der Basis ersten Mittelfußknochens): Bei größeren Deformitäten, v.a. bedingt durch einen ausgeprägten Spreizfuß, führen wir die Korrektur des Spreizfußes und gleichzeitig auch des Hallux valgus nicht im Bereich des Köpfchens, sondern an der Basis des ersten Mittelfußknochens durch, denn das bietet ein größeres Korrekturpotenzial. Zunächst entnehmen wir einen Knochenkeil im Bereich der außenseitigen Basis des ersten Mittelfußknochens und schließen den Spalt im Knochen mit entsprechenden Implantaten (Closed-Wedge-Osteotomie). Alternativ besteht die Möglichkeit eine aufklappende Osteotomie (Operationsverfahren mit gezielter Durchtrennung von Knochen) im Bereich der innenseitigen MFK1-Basis vorzunehmen (Open-Wedge-Osteotomie). Der aufgeklappte Spalt wird mit einer speziellen Platte fixiert.
    • Mit der gelenkversteifenden Lapidus-Operation können wir auch schwere Fehlstellungen sehr gut korrigieren. Dafür nutzen wir spezielle winkelstabile Platten, die eine besonders frühe Belastung ermöglichen. Dieser Eingriff bietet sich an, wenn zusätzlich zum Halux valgus eine Arthrose und/oder Instabilität des Gelenks zwischen der Basis des ersten Mittelfußknochens und dem angrenzenden Fußwurzelknochen besteht. Eine Kombination mit den o.g. Operationen im Köpfchenbereich ist möglich.

1. Vorstellung in unserer Sprechstunde:

  • Patientengespräch
  • Körperliche Untersuchung
  • MRT
  • Röntgenaufnahme
  • Diagnosestellung
  • Vereinbarung eines OP-Termins
  • Ab- bzw. Umsetzen von blutverdünnenden Medikamenten (z. B. Aspirin, Plavix, Marcumar)

2. Präoperative Vorbereitung:

  • Chirurgisches Aufklärungsgespräch
  • Anästhesieaufklärung
  • Blutabnahme

3. Nachbehandlung (behandlungsabhängig):

  • Die Entlassung erfolgt bei ambulanten Eingriffen nach der Operation, bei stationären Eingriffen in der Regel nach 2 Nächten
  • Entfernung der Wunddrainage am Tag nach der OP
  • Physiotherapie am OP-Tag
  • Die weitere postoperative Behandlung wird individuell auf die die persönliche Situation der Patientin/des Patienten (Sport, Aktivitätsniveau, Risikofaktoren, berufliche Exposition) abgestimmt.
  • Regelmäßige Wundkontrollen
  • Schmerzmedikation

Die Nachbehandlung richtet sich immer nach der jeweiligen Operationstechnik. Während die Patientinnen und Patienten Unterarmgehstützen nutzen, um den Fuß nur teilweise zu belasten, ist eine Thromboseprophylaxe notwendig. Nach einer Operation im Bereich des Mittelfußköpfchens tragen sie bis zum Abschluss der Wundheilung zunächst einen Verbandsschuh mit starrer Sohle sowie zügelnde Verbände (Hohmanscher Verband). Danach sind bequemere Schuhe möglich.

Bei der SFO- bzw. Lapidus-Operation tragen die Patientinnen und Patienten in der Regel 6 Wochen lang einen speziellen, stabilen Therapieschuh, in dem sie nach 2 Wochen ohne Unterarmgehstützen mit voller Belastung des Fußes gehen können. Des Weiteren empfehlen wir das regelmäßige Tragen einer Hallux-valgus-Nachtschiene sowie eines Zwischenzehenkeils für 3 bis 6 Monate.

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